[BritLit] A Long Way Down – Nick Hornby

hornby Nick Hornby ist ein Autor, den man entweder mag oder nicht. Zumindest seinen Schreibstil. Die einen langweilt er zu Tode und die anderen lieben seine skurrilen Charaktere sowie seinen schwarzen Humor. Ich gehöre zu der zweiten Gruppe. Sowieso verliebt in den dunklen, absurden britischen Humor, sind seine Bücher right up my street! Anlass dafür, den Roman schlussendlich zu lesen, gab mir die relativ späte Verfilmung aus diesem Jahr, zu der ich am Ende noch kurz kommen werde. Bereits nach dem Anfang der Inhaltsangabe von A Long Way Down“ war ich total fasziniert, was diese Geschichte hergeben würde:

Silvester, auf dem Dach eines Hochhauses: Pech, dass gleich vier Menschen auf die Idee gekommen sind, sich dort das Leben zu nehmen. Da man sich schlecht umbringen kann, wenn einem andere dabei zusehen, steigt die seltsame Gruppe erst mal vom Dach, um das Problem der jüngsten Kandidatin, die nicht weiß, warum ihr Freund sie verlassen hat, zu lösen. Nach und nach erzählen sie sich ihre Geschichten.

Da ist die altjüngferliche Maureen, deren Sohn Matty schwerstbehindert ist und die diese Belastung allein tragen muss, da ist Martin, der berühmte Talkmaster, den nach einem Gefängnisaufenthalt niemand mehr auf dem Bildschirm sehen will, Jess, die aufmüpfige Tochter eines Politikers, ist so direkt, dass sie alle vor den Kopf stößt, und JJ, der von seinem besten Freund, dem Sänger seiner Band, im Stich gelassen wurde. Und so findet eine Gruppe von Menschen zueinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die einander doch auf wundersame Weise zu helfen wissen.

Jeder der Vier hat seine eigene Geschichte und doch haben sie ein gemeinsames Ziel, dass sie verbindet. Hornby lässt seine Protagonisten abwechselnd ihre jeweilige Story erzählen und strikt so die Handlung zusammen. Diese Erzählweise finde ich persönlich immer sehr spannend, da man so nicht nur Einblick in die Gefühlswelt der Figuren erhält, sondern auch ihren Blick auf die Entwicklungen in der Gruppe erlebt. So erhält man ein runderes Bild der Gesamtsituation. Auch wenn man sich von Anfang an ungefähr denken kann, in welche Richtung der Roman gehen wird bzw. wie die Selbstmordmission ausgeht, so ist der Weg dahin interessant und die Perspektive, die sie auf das Leben während dieser Reise entwickeln.

Ich konnte in jeder Figur etwas finden, dass mich interessiert hat oder wo ich einen Bezug gefunden habe. Das hat es mir leicht gemacht, mit ihnen zu leiden, zu lachen und zu hoffen. Sowieso Fan von einzigartigen, außergewöhnlich Charakteren, die fernab des Mainstreams unserer Gesellschaft sind, werde ich bei Hornby immer fündig. Ich liebe diese Unbequemlichkeit seiner Protagonisten. Sie sprechen über ernste und wichtige Themen wie Depression oder Suizid in einer komisch-düsteren Weise, ohne ihnen die Ernsthaftigkeit zu nehmen. Einigen Lesern mag das nicht genau genug sein oder lächerlich erscheinen, doch ich finde gerade dieser Gegensatz und diese Absurdität, schaffen einen leichteren Zugang. Es hat mir Spaß bereitet, alle zu begleiten und mich ebenso angeregt, über persönliche Dinge nachzudenken. Darüber, wer mich an meiner Seite begleitet. Durch die gnadenlose Direktheit der Charaktere im Umgang miteinander wird man automatisch dazu gezwungen, sich auch als Leser selbst den Spiegel vorzuhalten.

Sehr gut unterhalten hat mich natürlich auch die britische Originalsprache, die für mich zu der Individualität der Hauptfiguren gehört. Für mich wurden die Dialoge dadurch gleich noch viel authentischer und lebendiger. In den Übersetzungen hapert es da öfter mal, weil es einfach Redewendungen gibt, die für mich nicht übersetzbar sind und deshalb nicht das gleiche Lesegefühl hervorrufen. Der inflationäre Gebrauch von bloody oder fuck  und shit hat mir oft ein lautes Lachen beschert.

Hornbys Roman ist eine Liebeserklärung. An das gottverdammte Leben. Die eigenwilligen Menschen. Unsere fragwürdige Existenz auf diesem Planeten. Er zeigt uns auf wunderbare Weise, dass jeder seine eigene Geschichte und sein eigenes Päckchen mit sich herumzutragen hat. Aber wir können es uns gemeinsam ein bisschen leichter und erträglicher machen. Er versichert uns, dass es nicht schlimm ist, anders oder wunderlich zu sein, sondern bloody fucking awesome. Man muss nur die richtigen Menschen treffen! Das kann manchmal einfach durch einen blöden Zufall geschehen. Und der Weg nach unten ist lang, aber er lohnt sich…

Wie bereits erwähnt, wurde das Buch fast 10 Jahre nach dem Erscheinen mit bekannten englischen Schauspielern verfilmt. Ich hatte große Hoffnungen in den Film gesetzt, da der Trailer vielversprechend erschien und ich ebenso Fan von Pierce Brosnan und Toni Colette bin. Leider wurden meine Erwartungen mehr als enttäuscht. Ja, eine Verfilmung kann nicht wie das Buch sein. Aber sie sollte meiner Meinung nach auch nicht zu stark verfremdet sein, wenn man die gleiche Geschichte erzählen will. Ich war enttäuscht, wie die ganze Handlung aus ein paar Fetzen zusammengestückelt wurde, den Charakteren ihre witzige und charmante Tiefe genommen wurde und dann auch noch das Ende komplett verfremdet wurde. Für mich hatte die Geschichte so leider ihren Zauber verloren und wurde zu einer kitschigen Hollywood-Alternative, obwohl es eine britische Produktion ist. Leider erschien es nur noch abgeflacht und lächerlich und konnte mich höchstens durch die Bilder meines geliebten Londons überzeugen.

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2 Gedanken zu „[BritLit] A Long Way Down – Nick Hornby

  1. Der Film hatte es wirklich schwer, vier Charaktere in 90 Minuten zu quetschen. Imogen Poots hat mir gefallen, aber der Film ist den einzelnen Schicksalen einfach nicht richtig gerecht geworden…

    • Da stimme ich dir vollends zu! Ich fand aber, das die Vorlage schon auch genug Potential geboten hat, dass man das hätte anders lösen können. Sie hatten so tolle Schauspieler und so ein tolles Setting. Da ist es echt schade, dass sie diesen Film draus gemacht haben…

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