[Lesetipp] Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki – Haruki Murakami

1619403_10152181400468988_1860094980_nAn „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami konnte man aufgrund seiner einzigartigen Gestaltung weder in der Onlinewelt, noch in der Buchhandlung vorbeikommen. Da hat der Dumont Verlag sich etwas einfallen lassen. Durch das Lob, dass ich oft über Murakami vernommen habe, hatte ich relativ hohe Erwartungen, auch wenn ich bisher noch nichts von ihm oder viel aus dem fernöstlichen Raum gelesen habe. 

Tsukuru Tazaki wächst in einer wohlhabenden Familie im japanischen Nagoya auf. Während der Schulzeit geht er einen engen Freundschaftsverbund mit zwei weiteren Jungen und Mädchen ein. Die fünf werden unzertrennlich, bis zu einem einschneidenden Erlebnis, was sie plötzlich auseinanderreißt. Von da an begibt sich Tsukuru auf seine eigene Reise. Schon immer hatte er das Gefühl, dass er anders sei und gegenüber seinen Mitmenschen keine Besonderheiten aufweist. Er ist sehr melancholisch und fokussiert sich auf seine große Leidenschaft: Bahnhöfe. Immer mal wieder geht er auch sexuelle Beziehungen zu Frauen ein oder trifft einen neuen möglichen Freund, bleibt aber allgemein lieber für sich, um sich in seine dichte Gedankenwelt zurückzuziehen. In dieser bleibt er dann leider auch oft stecken und verpasst so das eigentliche, bunte Leben. Erst die Begegnung mit der selbstbestimmten Geschäftsfrau Sara verändert etwas in ihm, dass ihn dazu bewegt, sich nochmal auf einen Ausflug in die Vergangenheit zu begeben und den Bruch mit seinen Freunden aufzuklären und am Ende vielleicht die Farben in sich selbst wiederzufinden.

Die Beschreibungen von Tsukuru sind teils sehr philosophisch angehaucht, bleiben aber auf der emotionalen Ebene eher zurückhaltend. Das spiegelt sich auch in den Beziehungen zu den anderen Menschen wieder, die ab und an den Weg von Tsukuru kreuzen und dann meist ohne weitere Erklärungen wieder verschwinden. Gerade bei den Freunden aus der Vergangenheit, die so eine entscheidende Rolle gespielt haben in seinem Leben, hätte ich mir mehr Emotionalität gewünscht. Das gilt auch für die Beziehung zu Sara, für die ich mir eine andere Auflösung am Ende des Buches vorgestellt hatte. Auf der anderen Seite passt es auch zu der vornehmen und höflichen Zurückhaltung aus dem fernöstlichen Raum. Alles bleibt immer ein ein bisschen unverbindlich und fremd. Das wird nicht jeden Lesegeschmack unbedingt treffen.

Kenner und Liebhaber von Murakami konnte der Roman wohl weniger überzeugen, da er zu konstruiert und oberflächlich bleibe. Für mich bleibt insgesamt jedoch ein positives Leseerlebnis mit ein bisschen Unbefriedigung zurück, da es für mich runder geworden wäre, wenn Murakami am Ende des Buches diese emotionale Zurückhaltung aufgebrochen hätte und dem Leser mehr Einblick gewährt hätte. Ich bin jetzt gespannt, wie mir seine früheren Werke gefallen werden.

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